SPANIEN NACH MASS bietet auf unterhaltsame Weise Informationen, die in anderen Reiseführer oder auch -Blogs über Spanien nicht oder sehr oberflächlich enthalten sind.

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Archive for the ‘Sprichwörtliches Spanien’


SPRICHWÖRTLICHES SPANIEN (2) 1

Posted on Oktober 07, 2009 by dorotea

Das Knoblauchland

Deftig und gesund: Knoblauch


Darüber beklagte sich im 18. Jahrhundert die Gräfin D’Aunoy: “…Pasteten, welche wohl zu essen wären, wenn sie solche nicht mit Knoblauch, Safran und Pfeffer über und über gewürzt hätten.” Was diese Vorreiterin des Tourismus störte, trifft auch heute noch auf geteilte Meinungen. Wahr ist, dass in der traditionellen spanischen Küche viel Knoblauch verwendet wird. Die Zehen oder Zwiebeln werden jedoch nur in wenigen Rezepten roh serviert: gedünstet, gebraten und gekocht verfeinern oder definieren sie den Geschmack auf recht diskrete Weise. Gerichte mit intensiver Knoblauchnote tragen meistens den Beinamen “al ajillo”; auch die kalte Gemüsesuppe Gazpacho umweht ein kräftiger Knoblauchduft… Wer mit dieser gesunden Knolle ganz auf Kriegsfuss steht, der sollte bei der Bestellung im Lokal “sin ajo” verlangen. Irgendetwas ‘Knoblauchfreies’ findet sich auch in einer spanischen Küche, so das Kartoffelomelette, die ‘tortilla española’.


Mañana será otro día -

Morgen ist auch noch ein Tag

Etwas Nachsicht erforderlich


Je weiter Sie in Spanien nach Süden kommen, desto deutlicher wird, dass Pünktlichkeit zwar bewundert, aber meistens nicht praktiziert wird. Natürlich fahren Züge und Busse fahrplanmässig und die Kontrollkarten der Stechuhren verstehen auch hier keinen Spass, aber wenn Sie einen Handwerker bestellen, dann sollten Sie eine grosszügige Zeitmarge einberechnen. Ist er dann doch pünktlich, haben Sie gleich noch einen positiven Überraschungsbonus dazu. ‘Mañana’ bedeutet ‘morgen’, aber das ist die graue Theorie einer trockenen Übersetzung aus dem Wörterbuch. ‘Mañana’ heisst auch ‘in naher Zukunft’, ‘falls das entsprechende Ersatzteil auf Lager ist’, ‘bald’ oder ‘irgendwann’. Wenn es Ihnen ein Trost ist,  denken Sie daran, dass sich auch Spanier über unberechtigte Verzögerungen ärgern, jedes ‘mañana’ schliesslich zum ‘hoy’ (heute) wird und dass dann auch lang aufgeschobene Reparaturen, Arbeiten und Lieferungen erledigt werden.

Ist der Handwerker erst einmal am Werk, können Sie eine andere spanische Spezialität ausnutzen: das sogenannte “Ya que” (Ausgesprochen: Ja ke…). “Wenn schon…” könnte man es übersetzen und damit leitet man Sätze ein wie: “Wenn Sie schon hier sind und dies und das tun, dann machen Sie doch bitte auch jenes und noch etwas anderes…” Spanische Handwerker sind bis auf Ausnahmen diesem elastischen Arbeitsumfang gegenüber  verständnisvoll und bei der Berechnung desselben meisens kulant.Klempner


Zum ersten Teil unseres “Sprichwörtliches Spanien” gelangen Sie hier.

Spanien hat eine grossartige Infrastruktur mit Hotels aller Kategorien. Lernen Sie dieses faszinierende und gastfreundliche Land erst einmal richtig kennen, dann kommt Ihnen bald fast gar nichts mehr ’spanisch’ vor…

SPRICHWÖRTLICHES SPANIEN (1) 0

Posted on Juni 14, 2009 by dorotea

Der Volksmund hat vielerlei Sprichwörter und Redewendungen geprägt: ein Grossteil beinhaltet Weisheit, Überlieferung und Erfahrung, Vorurteile und Gemeinplätze; manches ist krass unrichtig, einiges veraltet, aber trotzdem sagen wir immer wieder:

Das kommt mir spanisch vor…

Stierkampf


…im Zusammenhang mit dem Stierkampf wäre diese Bemerkung angebracht, denn der für den Stier tödlich ausgehende Schaukampf ist Spanien und Hispanoamerika vorbehalten. Aber wir sagen diesen Satz ja eher, wenn uns etwas unverständlich vorkommt. So recht volkstümlich ist er auch nicht, denn er geht anscheinend auf die Höflinge von Kaiser Karl V. zurück, der mit dem Titel Carlos I. gleichzeitig König von Spanien war. Als der mit anderen europäischen Ländern verstrittene Monarch am Hofe seine Muttersprache einführte, kam es vielen ’spanisch’ vor, dass sie plötzlich weder die Sprache noch das Protokoll verstanden.

Spaniern (und so manchen anderen Europäern) kommt Unverständliches übrigens chinesisch vor und den Engländern griechisch. Man kann also davon ausgehen, dass viel Unverständnis mit ein bisschen Sprachunterricht zu beseitigen wäre, oder vielleicht doch nicht?

Stolz wie ein Spanier…

Stolz wie ein Spanier...

…ist im Zeitalter der Globalisierung ein veralteter Ausdruck. Im modernen Spanien ist kein Platz für den arroganten Habenichts, den ‘Hidalgo’ aus Lazarillo de Tormes, der den äusseren Schein des Wohlstands um jeden Preis aufrecht erhält und sich wenn es kalt wird in seinen erfundenen oder sogar echten Adelstitel hüllt. Die reisende Gräfin D’Aunoy beschrieb den ’stolzen’ Spanier im 18. Jahrhundert auf diese Weise: Sogar die Bauern halten sich für so edel wie den König; bei einem Bettler muss man sich entschuldigen, wenn man ihm keine Limosen gibt, und: “…sie gehen allemahl in einer Majestätischen Grandezza einher”. Hypothekenbelastet, stressgeplagt und von der Wirtschaftskrise gebeutelt hat der Spanier heutzutage keine Zeit mehr für solchen Firlefanz, und ob er stolz ist oder nicht kommt auf die jeweilige Person an. Er hat ausserdem Sinn für HUMOR und kann auch über sich selber lachen. Etwas Vorsicht ist allerdings bei Scherzen über Don Quijote geboten, denn fast jeder Spanier fühlt Sympathie und Verehrung für den

Ritter von der traurigen Gestalt

Don Quijote und Sancho Panza

Don Quijote ist im spanischen Alltag mit vielerlei Zitaten und Anspielungen präsent. Die Anfangsworte „An einem Ort in La Mancha, an dessen Namen ich mich nicht erinnern will…“ erscheinen abgewandelt und angepasst in Unterhaltungen und Glossen, die für Riesen gehaltenen Windmühlen, die pfiffige Schläue von Sancho Panza, die von Don Quijote gepriesene schöne Dulcinea von Toboso, sind für Spanier so aktuell und gegenwärtig wie für Deutschsprachige Zitate aus Der Glocke. So gibt es zum Beispiel einen jährlichen Wettbewerb für den besten Brief von Dulcinea an Don Quijote oder etliche Don Quijote-Routen durch La Mancha.

Fiesta, Tanz und Gesang Fiesta und Siesta Siestatraum unter blauem Himmel

Die vor Lebensfreude sprudelnden spanischen Fiestas, sei es nun eine Flamenco-Darbietung mit mitreissender Musik und bunten Kleidern oder eine Romería‚ der Umzug am Tag des lokalen Schutzheiligen, sind so gut wie ihr Ruf. Der Klassiker spanischer Romerías ist die in der andalusischen Provinz Huelva zu Pfingsten stattfindende Romería del Rocío.

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Auch ausländische Touristen, die sich dem Rhythmus und Lärmpegel anpassen, kommen voll auf ihre Kosten… nur darf man die Fiesta so wenig mit dem spanischen Alltag gleichsetzen, wie die durch Klima und Arbeitszeiten bedingte Siesta.  Einer kürzlichen Untersuchung zufolge reduziert eine 20minütige Siesta das Risiko von Arbeitsunfällen und erhöht die Leistungsfähigkeit des Arbeiters um 34%. Trotzdem ist die verpöhnte und aus der Sicht des Auslands viel kritisierte Siesta auf dem Rückzug, während sich die Fiesta erfreulicherweise den modernen Zeiten angepasst hat und fortbesteht.




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