XVI. “PODEROSO CABALLERO ES DON DINERO”
Das schrieb im 17. Jahrhunder die spitze Feder des spanischen Dichters Francisco de Quevedo y Villegas. Daran hat sich nicht viel geändert, nur der Gebrauch dieser Anrede. Heutzutage sind “Don” und “Doña” - soweit nicht mit Adelstiteln verbunden und protokollarisch festgelegt - veraltet aber weiterhin im Umlauf wie so manch andere, i
mmer wieder auf Hochglanz polierte Antiquitäten. So wird der König als “Don Juan Carlos I”, aber der (noch) Regierungspräsident als “Señor Zapatero” oder schlicht “Zapatero” bezeichnet, als müsste jeder wissen, dass es sich nicht um einen Schuster handelt.
Ein älterer Bankdirektor, ein Apotheker oder auch ein Arzt und der Firmenchef etc. werden oft mit “Don” und ihrem Vornamen angesprochen, um vertraulichen Respekt auszudrücken. Bei den “Doñas” ist ein Altersabstand zwischen dem/der Sprechenden und der Angesprochenen und oft ein Klassen- oder Kassenunterschied ausschlaggebend.
Bei nicht mehr ganz jungen Damen kann das “Doña” eben aus diesem Grund ebenso wie das Siezen Ärger hervorrufen. Die Jugend findet es unangebracht und angestaubt.
Mit einem Lächeln serviert ist der “Don” oft anzüglich und zynisch gemeint, aber es gibt auch in alte Floskeln verstrickte Spanier, die “Don” jedem voranstellen, von dem ihnen der Vorname bekannt ist.
Eigentlich ist man nur mit abgeschlossenem Abitur berechtigt, diesen Titel zu führen, aber dieser Zusammenhang ist heutzutage eine historische Anekdote.
Grundregel: Mit “Señor/a” + Nachname kann eigentlich nichts falsch gemacht werden. “Señor/a” + Vornae ist nicht besonders elegant,
aber häufig. Nur der Vornamen + usted, also die “Sie”-Form, ist eine Mittellösung, zu der keine besondere Vertauensbasis nötig ist.
“Don” und “Doña” sind so urspanische Formen, dass zu ihrer wirklich korrekten Anwendung Landeskenntnis und Fingerspitzengefühl gehören. Vielleicht überlassen sie es deshalb besser denen, die es von klein auf geübt haben…




