Der Volksmund hat vielerlei Sprichwörter und Redewendungen geprägt: ein Grossteil beinhaltet Weisheit, Überlieferung und Erfahrung, Vorurteile und Gemeinplätze; manches ist krass unrichtig, einiges veraltet, aber trotzdem sagen wir immer wieder:
Das kommt mir spanisch vor…

…im Zusammenhang mit dem Stierkampf wäre diese Bemerkung angebracht, denn der für den Stier tödlich ausgehende Schaukampf ist Spanien und Hispanoamerika vorbehalten. Aber wir sagen diesen Satz ja eher, wenn uns etwas unverständlich vorkommt. So recht volkstümlich ist er auch nicht, denn er geht anscheinend auf die Höflinge von Kaiser Karl V. zurück, der mit dem Titel Carlos I. gleichzeitig König von Spanien war. Als der mit anderen europäischen Ländern verstrittene Monarch am Hofe seine Muttersprache einführte, kam es vielen ’spanisch’ vor, dass sie plötzlich weder die Sprache noch das Protokoll verstanden.
Spaniern (und so manchen anderen Europäern) kommt Unverständliches übrigens chinesisch vor und den Engländern griechisch. Man kann also davon ausgehen, dass viel Unverständnis mit ein bisschen Sprachunterricht zu beseitigen wäre, oder vielleicht doch nicht?
Stolz wie ein Spanier…
…ist im Zeitalter der Globalisierung ein veralteter Ausdruck. Im modernen Spanien ist kein Platz für den arroganten Habenichts, den ‘Hidalgo’ aus Lazarillo de Tormes, der den äusseren Schein des Wohlstands um jeden Preis aufrecht erhält und sich wenn es kalt wird in seinen erfundenen oder sogar echten Adelstitel hüllt. Die reisende Gräfin D’Aunoy beschrieb den ’stolzen’ Spanier im 18. Jahrhundert auf diese Weise: Sogar die Bauern halten sich für so edel wie den König; bei einem Bettler muss man sich entschuldigen, wenn man ihm keine Limosen gibt, und: “…sie gehen allemahl in einer Majestätischen Grandezza einher”. Hypothekenbelastet, stressgeplagt und von der Wirtschaftskrise gebeutelt hat der Spanier heutzutage keine Zeit mehr für solchen Firlefanz, und ob er stolz ist oder nicht kommt auf die jeweilige Person an. Er hat ausserdem Sinn für HUMOR und kann auch über sich selber lachen. Etwas Vorsicht ist allerdings bei Scherzen über Don Quijote geboten, denn fast jeder Spanier fühlt Sympathie und Verehrung für den
Ritter von der traurigen Gestalt

Don Quijote ist im spanischen Alltag mit vielerlei Zitaten und Anspielungen präsent. Die Anfangsworte „An einem Ort in La Mancha, an dessen Namen ich mich nicht erinnern will…“ erscheinen abgewandelt und angepasst in Unterhaltungen und Glossen, die für Riesen gehaltenen Windmühlen, die pfiffige Schläue von Sancho Panza, die von Don Quijote gepriesene schöne Dulcinea von Toboso, sind für Spanier so aktuell und gegenwärtig wie für Deutschsprachige Zitate aus Der Glocke. So gibt es zum Beispiel einen jährlichen Wettbewerb für den besten Brief von Dulcinea an Don Quijote oder etliche Don Quijote-Routen durch La Mancha.
Fiesta und Siesta 
Die vor Lebensfreude sprudelnden spanischen Fiestas, sei es nun eine Flamenco-Darbietung mit mitreissender Musik und bunten Kleidern oder eine Romería‚ der Umzug am Tag des lokalen Schutzheiligen, sind so gut wie ihr Ruf. Der Klassiker spanischer Romerías ist die in der andalusischen Provinz Huelva zu Pfingsten stattfindende Romería del Rocío.
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Auch ausländische Touristen, die sich dem Rhythmus und Lärmpegel anpassen, kommen voll auf ihre Kosten… nur darf man die Fiesta so wenig mit dem spanischen Alltag gleichsetzen, wie die durch Klima und Arbeitszeiten bedingte Siesta. Einer kürzlichen Untersuchung zufolge reduziert eine 20minütige Siesta das Risiko von Arbeitsunfällen und erhöht die Leistungsfähigkeit des Arbeiters um 34%. Trotzdem ist die verpöhnte und aus der Sicht des Auslands viel kritisierte Siesta auf dem Rückzug, während sich die Fiesta erfreulicherweise den modernen Zeiten angepasst hat und fortbesteht.



Juni 14th, 2009
dorotea 
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