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UNBEKANNTES SPANIEN (2): EIN BUMMEL DURCH PORTUGALETE 0

Posted on Februar 01, 2010 by dorotea

Santa María in PortugaleteIch liebe die Altstadt von Portugalete. Wie schon so oft begann ich neulich meinen Morgenspaziergang oben bei der Basilika Santa María mit ihrem schlanken gotischen Mittelschiff,  Seitenkapellen und Glockenturm. Von ihrer Anhöhe aus überragt sie den Stadtkern und beherrscht die Mündung des Nervión, dessen Ufer die berühmte, ein bisschen nach Eiffelturm aussehende Hängebrücke ‘Puente de Vizcaya‘ verbindet.

Es regnete leicht und bevor ich zum Rathaus hinunterging, wartete ich einen Moment auf den Glockenschlag, der stets metallisch klingt, rhythmisch und doch Museum und Statue des Lope García de Salazarauch verschlafen. Etwas weiter unten, zu Füssen der Kirche, steht  das Herrschaftshaus des Lope García de Salazar, einst der Probst von Portugalete, dessen Turm in ein Museum umgewandelt wurde. Man hat die Steinmauern ausgebessert; trotzdem scheint das Haus mir immer uralt zu sein. Trutzig stemmt es sich uns entgegen, eine Ruine der stillen, toten Zeit, Überrest der Kriege, die im späten Mittelalter Bizcaya verwüsteten. Davor hält auf ihrem Sockel die elegante Statue des Chronisten und mutigen Streiters für  seinen Klan Wache: ein Bein leicht nach vorn gesetzt, umklammert er mit der Linken das Heft des Kurzschwertes; die Rechte zeigt ein offenes Buch; das Wappen sitzt auf seiner Hüfte. Die Kirche, der Turm und der erste Historiker Bizcayas bilden ein unzertrennliches Dreigespann aus der Stadtgeschichte. Dies ist mein Lieblingsplatz, und ich schaue immer zurück, als ob ich diesen Anblick nie wiedersehen würde.

Die Strasse Santa María führt von hier zum Rathausplatz. Ich ging vorsichtig weiter, bespritzte meine Schuhe in den Pfützen des Kopfsteinpflasters und stellte mich schliesslich bei den Rathausarkaden unter, um ein Nachlassen des Regens abzuwarten. Die Farbe der klassizistischen Fassade ist jetzt ein mildes Orange wie von Herbstblättern. Bis vor kurzem war sie in grellem Blau gestrichen, ein zugegebenermassen gewagter Farbton, der die Kritiken vieler Bürger und den Spott von Anwohnern des anderen Ufers hervorrief. Das dort gelegene Las Arenas in Getxo ist heutzutage ein gutbürgerlicher Stadtteil, war jedoch früher von der Verwaltung durch das damals mächtigere Portugalete abhängig.

Musikpavillion und Rathaus (in Blau)Ein paar Minuten später  hörte der Regen auf und hinter den Wolken tasteten sich schwächliche Sonnen-strahlen hervor. Ich überquerte den Platz, in dessen Mitte ein alter Musikpavillion steht, und beobachtete einen schmutzigroten, leicht ange- rosteten Frachter unter der Flagge von Panama, der die Flussmündung herauffuhr. Sein Bug durchschnitt das Wasser mit kühlem Brausen, das der Dampfer mit einem langgezogenen Hupen zu übertönen versuchte. Ein Schwall salziger Meeresluft, gewürzt mit Möwenschreien, erreichte mich und ich atmete tief ein und schloss die Augen, um den flüchtigen Eindruck zu geniessen.

Hängebrücke Vizcaya zwischen Portugalete und Getxo (Las Arenas)

Aber schon knatterten Autoreifen über den feuchten Asphalt auf mich zu: mein Freund Arturo kam, um mich abzuholen. Sobald ich im Wagen sass, verschwand der Zauber meiner Stadt, der mich eben noch umfangen hatte, im steinigen Geklapper des alten Dieselmotors.

“Bis zum nächsten Mal, Portugalete!”

Hafen und Kirche Santa María in Portugalete

Hat Ihnen dieser Bummel durch Portugalete gefallen? Das Städtchen ist Teil des Grossraums von Bilbao und Sie erreichen es  mit dem Bus oder Nahverkehrszug  in etwa 15 Minuten . In Bilbao gibt es viele verschiedene Hotels, aber wenn Sie ein Hotel direkt in Portugalete vorziehen, dann klicken Sie bitte hier: das Gran Hotel Puente Colgante wird Sie nicht enttäuschen. Auch in Santurce (neben Portugalete) gibt es ein sehr empfehlenswertes Hotel mit dem schönen Namen ‘Palacio de Oriol‘.

Text:  José Manuel Aparicio

Fotos: www.soydeportugalete.com



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